Stadtfest. 875 Jahre Stadtjubiläum. Ein schreckliches Attentat, ausserhalb des Stadtfestgeländes, mitten in der Nacht, zu einer Zeit, wo längst kein Stadtfest mehr war.

Ich selbst war am Sonntag mit meiner Tochter sonntags im Umland von Chemnitz unterwegs. Auf Wunsch meiner Tochter sind wird dann um ca. 16 Uhr bei den Kinderstationen damit konfrontiert worden, dass das Stadtfest aus Pietätsgründen abgebrochen wurde, was bekanntlich aus Sicherheitsgründen eine vorgeschobene Argumentation war.

Einige ganz persönliche Gedanken eines österreichischen Kommunalpolitikers, der die Geschehnisse in Chemnitz, vor allem die montägliche Demonstration miterlebt hat …

Bildung ist und bleibt der Schlüssel für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Nur so kann Rechtspopulismus gestoppt werden. Aufklärung, Bewusstseinsbildung für den Umgang mit der Geschichte und vor allem die Förderung der kulturellen Vielfalt. Und das sollte frühestmöglich bei unseren Kindern beginnen. Das gilt auch für die verbandliche und außerschulische Jugendarbeit. Das ist ein langfristiges Projekt.

Im Moment braucht wohl es ein breites Bündnis gegen alle rechten und rechtspopulistischen Organisationen: eine friedliche Mobilisierung und einen lösungsorientierten Dialog. Und es muss klar gemacht werden, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Daran haben sich alle zu halten! Und das ist kein Chemnitzer Problem. Das geht uns alle an!

Fairerweise muss auch gesagt werden, dass auch die Aggression auf linker Seite zu verurteilen ist. Aggressives Verhalten hilft niemanden, das ist hinlänglich bekannt.

Wir wissen auch, dass die Mehrheit der Menschen völlig anders denkt. Das, was am Montag in Chemnitz passiert ist, mit Unterstützung aus ganz Sachsen, Thüringen und Bayern – die bayrische Flagge war gut zu erkennen – ist schrecklich, ist aber nicht das Spiegelbild der Stadt Chemnitz oder gar der Gesellschaft. Chemnitz ist eine faszinierende Stadt im Aufbruch. Hier ist Vieles möglich, hier gibt es großen Gestaltungsraum. Und vor allem finde ich hier eine hohe Lebensqualität. Und dieses Bild muss hinausgetragen werden, dazu wird auch die Kulturhauptstadtbewerbung beitragen.

Ich habe die Demonstration gestern, als Ausländer, hautnah miterlebt. Ich muss ehrlich sagen, dass mir dieses Ausmaß an Hass gegenüber Menschen so noch nicht widerfahren ist. Zudem sin die Bilder, wie Menschen, im Chemnitzer Fall Menschen mit Migrationshintergrund, gejagt werden, schlichtweg menschenverachtend, entbehren jeglicher Grundlage und Menschenwürde. Dagegen muss vom Rechtsstaat aus entschieden vorgegangen werden. Was mich schockiert hat, waren die „Wir sind das Volk“-Rufe und in Folge die Aussage, wir holen „unsere Stadt“ zurück. Das sei unser Chemnitz, hieß es. Das war der Moment, wo ich mich wirklich gefragt habe, was eine Stadt alles leisten muss, damit die Menschen zufrieden und im korrekten Umgang miteinander leben können.

Ich vertraue darauf, dass der Rechtsstaat und die Vernunft die Oberhand behalten.