Bludenz nimmt gegenüber den anderen Vorarlberger Städten eine etwas stiefmütterliche Rolle ein. Hinkt das Alpenstädtle auch kulturell hinterher?

Im Gegenteil, Bludenz hat eine unglaubliche Vielfalt und Breite zu bieten, wir bekennen uns zudem zu einem kommunikativen Dialog mit der Region. Abgesehen davon ist das Programm des Vereins allerArt mit den „Bludenzer Tagen zeitgemäßer Musik“ und den Ausstellungen seit 30 Jahren unerreicht in Vorarlberg.

Wie bedeutend sind in dieser Hinsicht auch Veranstaltungen wie die Kulturnacht oder die Architekturtage?

Die Kulturnacht zeigt, wie aktiv unsere Vereine und unsere Kulturschaffenden sind, beweist aber auch, dass wir einen zeitgemäßen Kulturbegriff ernst nehmen. Wir präsentieren nämlich Kulinarik, Handwerk und binden Familien und Schulen mit ein. Und die Architekturtage belegen, dass Bludenz den Stadt- und Lebensraum sehr ernst nimmt. So können wir auch auf die 1967 von Hans Purin erbaute Halde beleuchten, ein architektonisches Meisterwerk und Vorreiter von verdichteter Stadtentwicklung.

Das Land Vorarlberg unterstützt die Ansätze einer kulturbezogenen Regionalentwicklung im Süden Vorarlbergs. Ein wichtiges Projekt ist dabei die Kulturfabrik. Der Startschuss für das Projekt fiel dieser Tage. Was steckt hinter diesem Projekt und was soll es bezwecken?

Es gibt seit Jahrzehnten eine kulturelle Schieflage in Vorarlberg. Das Rheintal saugt den Großteil der Kulturförderungen des Landes ab, auch wegen den vielen Landeseinrichtungen, die wir in Bludenz nicht wahrnehmen. Das muss mittelfristig korrigiert werden. Wir werden uns im Austausch mit der Region überlegen, welche Formate die kulturelle Qualität des Vorarlberger Südens beleuchten kann. Ob das in Form eines neuen Festivals, einer gemeinsamen Kulturplattform ist oder sich das eben digital abspielen wird, wird der Prozess zeigen.

Inwiefern kann/will sich Bludenz in kultureller Hinsicht vom Rest des Landes exponieren. Welche kulturellen „Duftmarken“ können gesetzt werden?

Kultur beschreibt ein weites Feld menschlicher Aktivitäten. Aktivitäten, mit denen wir aktiv unseren Lebensraum gestalten. Wir überschreiten dabei aber immer Grenzen zu sozialen Fragestellungen, Wissenschaft und Forschung, Sport, Gesundheit, zu Architektur und Stadtplanung und zu Feldern wie Kommunikation, Mode und Gastronomie. Ich glaube das zeigt, dass es um Breite geht. Das unterscheidet uns vom Rest des Landes, so wird sich auch unser Kulturprogramm in den kommenden Jahren darstellen.

Eine Kulturszene lebt von kreativen Köpfen. Inwieweit kann die öffentliche Hand – respektive die Stadt – solche Kreativität fördern? Ist das Angebot ein Kreativstätten ausreichend?

Was das ganze Land braucht ist Raum für künstlerische Experimente. Es braucht Mut zum Risiko, das zeigt auch die eben gestartete Kulturfabrik. So werden auch neue Kreativlabore entstehen. Das kann man jedoch nicht verordnen, wir werden aber an den Rahmenbedingungen arbeiten, so dass ein künstlerisches Milieu entstehen kann.

Wo soll Bludenz kulturell in den kommenden zehn Jahren hin?

Bludenz ist die Bezirkshauptstadt des flächenmäßigen größten Bezirkes des Landes. Wir werden sicher nicht die Kulturhauptstadt Vorarlbergs werden, das ist und bleibt Bregenz. Aber wir werden gemeinsam mit der Region „Vorarlberg Süd“ einige Überraschungen bieten.