Es ist Zeit für Neues, das ist nich nur der Slogan jener Bewegung, jener Partei, der ich angehöre und zu der ich mich bekenne.

Am 15. Oktober wählen wir einen neuen Nationalrat und folglich wird sich in Folge eine neue Bundesregierung konstitutieren. Nun, aus der Sicht eines kleinen Kommunalpolitikers kann man aus der Ferne durchaus Themen einfordern, die für Regionen wie Bludenz relevant sind.

Kommunale Kulturarbeit wertschätzen

Die/der neue Kulturminister/in soll die Bundesländer und auch die ländlichen Regionen ernst nehmen. Wenn Schreiben von Kleinstädten im Ministierium schlichtweg nicht beantwortet werden, ist das in meinen Augen die größtmögliche Ignoranz gegenüber der kommunalen Kulturarbeit.

Kein kultureller Klassenkampf, keine Neiddebatte

Niemand hat etwas gegen die Bundesmuseen, die Bundestheater oder sonstige kulturelle Bundeseinrichtungen. Und den Neid und Klassenkampf überlassen wir gerne der SPÖ und Herrn Pilz. Nein, es geht viel mehr darum, neue Fördertöpfe für die Bundesländer einzurichten.

EU-Förderungen stärken

Möglicherweise sollte von Wien aus auch überlegt werden, wie kulturelle EU-Fördermittel (Creative Europe) vermehrt in die Regionen kommen könnten? Bräuchte es eventuell auch im Westen des Landes Beratungsstellen, die gerade bei EU-Förderungen behilflich sein könnten? Das erachte ich als ein tatsächliches Manko in Österreich. Eine Serviceeinrichtung für europäische Förderungen wäre ein echter Gewinn für die Regionen.

Netzwerke

Förderung ist zudem nicht zwingend in Geld zu messen. Förderung kann auch über neue Netzwerke, Plattformen oder Internationalisierung positive Effekte für kommunale Kulturarbeit auslösen. Das hat Kulturexpertin Maria Großbauer von der Liste Sebastian Kurz auch sehr trefflich im Standard auf den Punkt gebracht. Es bleibt jedoch die Frage, wie Netzwerke tatsächlich gestützt werden könnten? Ich erinnere mich an meine Obmannschaft für die ASSITEJ Austria, dem nationalen Dachverband für Kinder- und Jugendtheater in Österreich, wo mehr als 100 Theatereinrichtungen und Gruppen vom Bund regelrecht ignoriert wurden. Jegliche Idee, jegliches Ansinnen, das es von Seiten des Vorstandes gab, wurde schlichtweg abgelehnt. Nun gut, die Hoffnung auf eine neue Form der Gesprächskultur und der Wertschätzung bleibt bestehen.

 

Gratis-Zugang in die Museen: Gerne, aber dann bitte bundesweit …

Ich frage mich ganz offen, wie die SPÖ Gratiszugänge in den Bundesmuseen, zumindest an Sonntagen finanzieren will? Im Umkehrschluss müsste dann ja die Subvention für die Bundeseinrichtungen in Wien erhöht werden. Was wäre, wenn auch wir in der Provinz Ähnliches vor hätten? Würde dann ein Automatismus greifen, sprich auch wir Subventionserhöhungen bekommen? In meinem Augen ein etwas populistisches Ansinnen des aktuellen Kulturministers.

Beteiligung

Trotzdem: Kulturelle Beteiligung ist das um und auf von zeitgemäßer Kulturpolitik. Ein zentrales Thema wird die Vereinbarkeit von Nachmittagsbetreuung und Musikschulunterricht, was beispielsweise in Bludenz ein Thema ist. Nicht zwingend ein Thema für den Bund, aber zumindest eine Fragestellung, die gerade in Regionen, wo die Vereinsarbeit eine besondere Bedeutung hat, zu diskutieren wäre, und wo möglicherweise auf nationaler Ebene auch Lösungsvorschläge miteingebracht werden könnten?

Förderpraxis des Bundes

Ein letzter Punkt ist die aktuelle Förderpraxis des Bundes: Ja, Wien ist weit weg aus Vorarlberg. Ich frage mich jedoch immer wieder, warum Projekte wie Shakespeare am Berg vom Bund nicht gefördert werden, wissend, dass die Förderbeiräte nie wirklich vor Ort waren, sich nie mit den kommunalen Strukturen auseinandergesetzt haben, nicht wissen, wie „unsere“ Kulturarbeit funktioniert? Das wäre meine vorrangigste Vorgabe für eine zeitgemäße Bundeskulturpolitik: Es braucht mehr Auseinandersetzung mit dem kulturellen Schaffen ausserhalb der Bundeshauptstadt Wien.

Was bleibt?

Wünsche, Anregungen, Denkanstöße, die ich auch im Kulturausschuss des Städtebundes einbringen werde. Wir müssen näher zusammenrücken, Ideen gelten lassen und folglich gemeinsam den Kulturstandort weiterentwickeln, in Wien, in den Ländern und insbesondere in den Kommunen, denn dort wird hautnah Kulturarbeit gemacht.

Und ich werde nicht still sein, sondern auch künftig der/dem Kulturminister Briefe schreiben, in der Hoffnung, dass diese zumindest beantwortet werden, was, wie erwähnt, im Büro Drozda, in den letzten 16 Monaten nicht der Fall war, zumindest nicht, wenn es um Anliegen der Stadt Bludenz ging.