Die heutige Pressekonferenz der Bürgermeister der vier Rheintalstädte wirft Fragen auf, die ich in meiner Funktion als ressortverantwortlicher Kulturstadtrat der Stadt Bludenz wie folgt kommentiere:

Die Aussage, dass Bludenz wie die verbleibenden 92 Vorarlberger Gemeinden behandelt wird, gilt es zu respektieren. Fakt ist, dass dies jedoch im Kreise aller fünf Vorarlberger Städte Anfang Juli anders besprochen wurde und dass zudem vom Land Vorarlberg klar formuliert wurde, dass es für eine Unterstützung des Landes einen Schulterschluss aller fünf Vorarlberger Städte benötigt. Und ich vermute, dass das Land von dieser Haltung nicht abrücken wird. In diesem Zusammenhang sei auf eine der Bewerbungsfragen der EU verwiesen:

„Haben die jeweiligen Finanzbehörden (Stadt, Region, Land) bereits darüber abgestimmt oder finanzielle Zusagen zur Deckung der Umsetzungskosten gemacht? Wenn nein, wann werden sie dies tun?“

Fakt ist, dass die Stadt Bludenz seit Mitte Juli auf Antworten aus der Arbeitsgruppe der Kulturhauptstadtbewerbung wartet, insbesondere auf Fragen des Geldes. 

Ja zur Idee der Kulturhauptstadt!

Die Kulturhauptstadt ist ein absolut gelungenes Modell zur Präsentation der kulturellen Vielfalt, zum Diskurs über den Kulturbegriff, zum europäischen Austausch auf künstlerischer Ebene und insbesondere zur Aufarbeitung eines Transformationsprozesses. Und dieser Transformationsprozess hat in Vorarlberg immer stattgefunden.

Warum brauchen wir die Kulturhauptstadt?

Die Frage des NEEDS, warum braucht das Rheintal oder gar Vorarlberg den Titel „Kulturhauptstadt Europos“, ist bis heute nicht beantwortet. Ich vertrete die Meinung, dass ein Need und ein Nutzen immer formuliert werden kann, auch in Vorarlberg. Aber ich halte fest: Vorarlberg hat ein unglaublich vielfältiges kulturelles Leben, beschäftigt sich intensiv mit dem Kulturbegriff, wenn ich nur an Stichworte wie Genussregion, Nachhaltigkeit, Innovation, öffentlicher Verkehr, Kulturtourismus etc. verweise. Und zudem gibt es wohl kaum eine vergleichbare Region, die über eine derartig breite kulturelle Infrastruktur verfügt und zudem international renommierte Leuchttürme besitzt, wenn ich auf die Bregenzer Festspiele, das Kunsthaus Bregenz, die inatura, das großartige neue Montforthaus, das auch ein Beleg für gelungene Stadtentwicklung ist oder das Jüdische Museum verweise.

Vielleicht dürfen in diesem Zusammenhang auch die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik des Vereins allerArt erwähnt werden, die seit rund 30 Jahren ein klares Bekenntnis zu zeitgenössischem Kunstschaffen abgeben.

Relevanz der Rheintalthemen für das restliche Vorarlberg

Zwei der drei kommunizierten Themen (Grenzen und „Wie sehen wir Europa?“) der Rheintalstädte mögen eine landesweite Dimension einnehmen. Aber warum sollten Bludenz, Bürs oder beispielsweise das Klostertal die Thematik der „Rheintal-Stadt“ mit ihren Bürgerinnen und Bürgern diskutieren?

Was heißt das nun für Bludenz?

Ich werde den städtischen Gremien vorschlagen, dass wir weiter an der Kulturstrategie für Bludenz und die Region arbeiten. Bludenz braucht die Kulturhauptstadt per se nicht.

Wir brauchen neue kulturelle Impulse, möglicherweise eine Regionale, wie sie es beispielsweise in der Steiermark gegeben hat, oder eine neue Form einer landesweiten Ausstellung, die sich neuen Kunstformaten hin öffnet, oder Schlichtweg eine Stärkung der bisherigen Initiativen in Form von Marketing- oder Vertriebsnetzwerken. Und wir werden in diesen Diskurs auch das Land Vorarlberg mit einbinden.

Nächster Termin: Diskurs mit Kulturschaffenden der Region über Formate und mögliche Ziele für die Kulturregion Vorarlberg Süd am 2. Oktober um 19 Uhr in Bludenz. Die Protagonistinnen und Protagonisten der Kulturhauptstadtbewerbung sind dazu herzlich eingeladen.