Kulturstadtrat Christoph Thoma will im Laufe der kommenden Monate die städtische Kulturarbeit auf völlig neue Beine stellen. Das Modell der Bludenz Kultur GmbH ist mit der operativen Zusammenführung von Stadtmarketing und Kultur im Jahr 2015 nicht zielführend zu realisieren. Nun gilt es die richtigen Schlüsse zu ziehen. Während Stadtmarketing mittels Events, Kommunikation und gezieltem Standortmarketing die Attraktivität der Stadt steigert, soll Kultur verstärkt als Netzwerkplattform agieren und die Rolle als Zentrumsfunktion wahrnehmen. 

Die Rahmenbedingungen haben sich seit der Gründung der Kultur GmbH im Jahr 2008 deutlich verändert. Insbesondere die Öffnung des Vereins allerArt hin zu neuen Formaten wie beispielsweise der „MusikMeile“ oder der Leinwandlounge, hat gezeigt, dass es in Bludenz nicht zwei große Kulturveranstalter benötigt.

Es geht nicht darum, den Zustand vor der GmbH-Gründung im Jahr 2007 wieder herzustellen, sondern zu reagieren, aus den letzten 10 Jahren zu lernen und sich darauf zu besinnen, was kommunale Kulturarbeit ist. Thoma wird mit diesem Vorschlag in die städtischen Gremien gehen.

„Der Verein allerArt soll in seiner Arbeit in der Remise stärker in die programmatische Bespielung eingebunden werden“, wenn es nach Thoma geht . Parallelstrukturen wie die Reihe hin.hören der Stadt und die MusikMeile von allerArt, die nahezu idente Zielgruppen ansprechen, müssen bereinigt werden. Da will Thoma hinkünftig auf die Expertise des Vereins allerArt vertrauen.

Weg von der Einkaufskultur, hin zum Ort des Gestaltens

Christoph Thoma weiters: „Die Zeit, wo Kulturämter ein dichtes Veranstaltungsprogramm erarbeiteten, hat sich überholt. Ich orientiere mich hier an Feldkirch. Kulturarbeit von Kommunen muss viel mehr in die Breite gehen, das Netzwerk und optimale Rahmenbedingungen als Aufgabe sehen. Wir müssen weg von der Einkaufspolitik von Kultur. Wir müssen vielmehr die Remise als Ort der Produktion positionieren. Hinkünftig soll die die städtische Kulturarbeit die Kulturschaffenden der Stadt und der Region sowie die Kulturvereine mehr unterstützen.

„Zudem müssen wir die Zentrumfunktion von Bludenz stärken. Partner wie Literatur Vorarlberg, das Symphonieorchester Vorarlberg mit seinen Schulangeboten oder beispielsweise die Jeunesse mit Cinello sollen als Partner gestärkt werden“, ergänzt Thoma, der auch mit der Stadtgeschichte und der Sommerausstellung bereits aufgezeigt hat, wohin die Reise gehen soll, Thoma: „Die bewusste Wahrnehmung der Geschichte wurde mit der Sammlung Hegenbart eindrucksvoll unter Beweis gestellt, 2019 präsentieren wir 100 Jahre Rätia Bludenz.“ Ein weiteres Beispiel sieht Thoma in der „Nacht der Bludenzer Chöre“ am 17. November oder in der Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum: Kulturarbeit muss die Menschen der Stadt ansprechen, erreichen und miteinander ins Gespräch bringen.

Fixpunkte müssen die Unikat B oder die KulturNacht bleiben, die abwechselnd biennal angeboten werden. 2018 folgt die 8. Bludenzer KulturNacht. Ebenso hat sich eben gezeigt, dass das Bludenzer Jazz Festival „Jazz & Groove“ Dank der durchdachten Programmgestaltung der jungen Kuraorten Cenk Dogan und Lukas Morre und dem Fokus auf einen breiten Kulturbegriff eine echte Bereicherung für Bludenz und die Region darstellt. „Wenn es nach mir geht, dann sollte der erste Abend noch stärker in die Innenstadt strahlen, aber prinzipiell ist das Jazz Festival mittlerweile einzigartig in Vorarlberg“, so Thoma.

Mit Bedauern hält Thoma fest, dass in den letzten Jahren die Besucherzahlen der Fremde.NäheReihe zurückgegangen sind oder beispielsweise das Erfolgsprojekt Berge.Hören komplett eingestellt wurde. Ob und wie diese Formate erhalten oder gar reaktiviert werden, gilt es in den städtischen Gremien im Laufe des Herbsts zu diskutieren.

Kultur.Leben, ein Erfolgsprojekt von Maria Müller

Mit Freude kann festgehalten werden, dass es Dank der Initiative von Bürgermeister Mandi Katzenmayer gelungen ist, Kultur.Leben zurück nach Bludenz zu holen und dass Maria Müller für ihr unglaubliches Engagement nun mit dem Toni-Russ-Preis 2017 ausgezeichnet wird. Bludenz wird alles daransetzen, dass Kultur.Leben ein zentraler Partner des städtischen Kulturangebotes bleibt.

2018 wird der Verein allerArt 30 Jahre, die Remise 20 Jahre alt. Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, und somit sollte das kulturelle Angebot immer wieder aufs Neue hinterfragt werden: Die Zeit ist reif für neue Denkweisen in der Bludenzer Kulturarbeit.