Mein ungekürztes Interview im Bludenzer Anzeiger am 23. Juni 2017 …

Herr Thoma, was sagen Sie zu den Aussagen von Ulrike Dirnbauer, die, subjektiv betrachtet, doch Kritik an der Stadtpolitik geäußert hat?

Vorweg möchte ich Ulrike Dirnbauer für ihre Arbeit für Bludenz danken. Ich bin froh, dass beispielsweise Fremde.Nähe, Kinder.Welten, die Kultur.Nacht oder Cinello immer noch auf dem Programm stehen, sind es doch Programmschienen, die auf eine Zeit vor Ulrike Dirnbauer zurückgehen. Das ist als Bekenntnis zu einer nachhaltigen Programmarbeit zu werten. Zudem freut es mich, dass wir gemeinsam mit Jazz & Groove ein überarbeitetes Jazzfestival, das bekanntlich eine Idee von Klaus Allgäuer war, mit Lukas Morre und Cenk Dogan als Kuratoren entwickeln konnten. Neu war letztes Jahr auch die Sommerausstellung. Heuer folgt diese Ausstellung mit der Sammlung Hegenbart aus Bludenz, kuratiert von Christof Thöny. Und zudem machen wir uns jetzt schon Gedanken über 100 Jahre Rätia Bludenz im Jahr 2019, ein Jubiläum, das wir unbedingt mit einer Ausstellung begleiten wollen. Das stiftet Bludenzer Identität. Und an dieser Stelle sei auch Kerstin Biedermann-Smith gedankt, die mit der Alpenregion V-Ticket als landesweites Ticketangebot in Bludenz eingeführt hat, das auch dem Bludenzer Kultur-, Sport- und Vereinsleben zu Gute kommt.

Sind die Aussagen von Frau Dirnbauer falsch? Es sind ja im Prinzip subjektive Sichtweisen, die dazu geführt haben, dass sie sich nicht mehr wohl gefühlt hat.

Es liegt mir fern darüber zu urteilen, ob Antworten falsch oder richtig sind. Nur eines gilt es klarzustellen: Kleinkindbetreuung ist ein Angebot für Bludenzer Kinder, für Familien mit Bludenz als Hauptwohnsitz. Ausnahmen sind beispielsweise Beschäftigungsverhältnisse mit der Stadt Bludenz. Und solange wir Bludenzer Kinder auf der Warteliste haben, werden wir keine Kinder aus Nachbargemeinden aufnehmen. Das sind wir allen Bludenzer Familien schuldig. Zurück zur Kultur. Unsere Vereine müssen mehr vor den Vorhang kommen, Kultur.Leben braucht mehr Unterstützung von der Kulturverwaltung. Es gilt beispielsweise die UNIKAT B weiterzuentwickeln, ein Format, das schon bei Heidi Comploj, Theresia Burtscher und Miriam Schreinzer sehr erfolgreich war. Besucherrekorde gab es übrigens auch damals schon zu vermelden. Shakespeare am Berg braucht zudem aktive Organisationsunterstützung, damit dieses Kulturereignis für Bludenz ein kultureller Leuchtturm werden kann. Unsere Remise-Website muss wieder zu einer Bludenzer Kultur-Website werden, sprich eine Plattform für das kulturelle Leben der Stadt. Und insbesondere brauchen wir eine Diskussion über unseren Kulturbegriff, gemeindeübergreifende Kulturarbeit, Digitalisierung und die konsequente Stärkung der Stadtgeschichte. 

Angeblich gab es Unstimmigkeiten. Es ist auch nie offen kommuniziert worden, warum der Vertrag nur ein Jahr verlängert werden sollte. Was war das Problem?

Wir sollten die Emotionen rausnehmen. Wir haben versucht einen gemeinsamen Weg zu finden. Es gab, wie schon aufgelistet, viele Impulse, die wirklich gut waren. Beispielsweise auch die Stadtstücke. Wir schauen nach vorne, müssen weiter an einem Veranstaltungskalender und an der Veranstaltungskoordination arbeiten, die Zusammenführung der Reihen Hin.Hören und Musikmeile steht an. Doppelgleisigkeiten müssen bereinigt werden, das gilt insbesondere für die Kommunikation und Werbung. Die Abstimmung mit dem Verein allerArt müssen wir intensivieren. Und insbesondere müssen wir Synergien zwischen Stadtsaal und Remise herstellen. Das sind Herausforderungen, denen wir uns jetzt stellen werden. Und zudem gilt es das gut aufbereitete Zukunftsleitbild mit Inhalten positiv aufzuladen und insbesondere mit den Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Daher forcieren wir auch die Bludenzer Kulturfabrik.

Viele sehen Frau Dirnbauer – egal wie man ihre Arbeit bewertet hat – als Bauernopfer? Was sagen Sie als ehemaliger und jetziger verantwortlicher Kulturstadtrat dazu?

Wir haben immer klar kommuniziert, dass wir den Vertrag verlängern wollen, aber eben befristet auf ein Jahr. Denn unser Ziel ist es, rasch Klarheit zu schaffen, ob wir weiterhin eine gemeinsame Geschäftsführung von Stadtmarketing und der Kultur GmbH suchen, oder ob Kultur wieder als eigenständige GmbH, was sie ja faktisch immer noch ist, oder zurück in die Stadtverwaltung führen. Die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten 10 Jahren stark verändert. Diese Frage beschäftigt uns schon seit gut zwei Jahren. Sollten wir erkennen, dass die Zusammenführung nicht ideal war, dann werden wir zu diesem Ergebnis stehen, die Verantwortung übernehmen und dies selbstverständlich korrigieren. Das ist die Verpflichtung von ernstgemeinter Politik für die Bürgerinnen und Bürger. Dazu haben wir uns in der Schwarz-Grünen-Stadtkoalition verpflichtet.

Wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben oder intern vergeben? 

Selbstverständlich wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Wir nützen die nächsten 6 Monate, um Antworten auf die formulierten Fragen zu finden. Kultur und Stadtmarketing müssen wieder stärker in städtische Abläufe eingebunden werden. Sie gehören hinkünftig übrigens nicht mehr zum Verwaltungsbereich Finanzen, sondern zum Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Das ist der erste Schritt.