Auszug aus meinem aktuellen Interview in der Zeitschrift KULTUR …

Ein Thema, bei dem Du Dich auch bestens auskennst, ist jenes der Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas 2024. Du hast ja damals als Geschäftsführer von Bregenz Tourismus und Stadtmarketing die Diskussion so richtig ins Rollen gebracht und warst ein wesentlicher Antriebsmotor innerhalb jener Arbeitsgruppe der Städte Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Hohenems, die in eine Bewerbung vorbereiten soll. Damals war klar, dass Bludenz nicht dabei ist. Möchtest Du es jetzt sozusagen hineinreklamieren?

Es gab ein erstes Gespräch von Seiten der Rheintalstädte mit Bürgermeister Katzenmayer und mir in meiner Funktion als Kulturstadtrat. Allerdings erst auf Verwaltungsebene. Zudem hat das Land den Wunsch von Anfang geäußert, dass auch Bludenz Teil des Projekts werden sollte. Die vier Rheintalstädte müssen jedoch erst auf politischer Ebene klar zum Ausdruck bringen, ob und ggf. wie sie Bludenz dabeihaben wollen.

Eines ist jedoch klar, den Weg zur kulturellen Stärkung des Vorarlberger Südens werden wir weitergehen, mit oder ohne Kulturhauptstadt.

Du bist ja seit Deiner Rückkehr aus dem Burgenland nicht mehr Mitglied dieser Arbeitsgruppe und kannst die Angelegenheit relativ nüchtern von außen betrachten. Ist man einer Bewerbung nähergekommen, oder wo spießt es sich Deiner Meinung nach?

Es gibt einen wesentlichen Knackpunkt, das ist die Frage der Bannerstadt, denn am Ende des Tages wird eine der Städte Bregenz, Dornbirn oder Feldkirch die Verantwortung tragen müssen. Ich hatte Bürgermeister Markus Linhart geraten einen Katalog mit Für und Wider für die Klärung der Bannerstadtfrage erarbeiten zu lassen, den aktuellen Stand kenne ich nicht. Ich erlaube mir aber auch das auszusprechen, was hinter vorgehaltener Hand immer wieder geäußert wird: Bregenz hat die kulturelle Zugskraft für das Land.

Jene kulturelle Breite, die immer wieder für eine Bewerbung gefordert wird, ist in allen Städten und Regionen des Landes gleichermaßen ausgeprägt, übrigens auch in Bludenz. Es gibt beispielsweise ausgezeichnete Musikschulen, alle Städte haben ihre Jugendsinfonieorchester, Büchereien, Blasmusikvereine und Chöre, Stadtarchive oder migrantische Kulturvereine, die Pflege des Brauchtums ist essentiell.

Aber es gibt eben nur in Bregenz die Festspiele, das Kunsthaus, die Landesbibliothek, das vorarlberg museum, das Landestheater oder den Sitz der Berufsvereinigung der bildenden Künstler. Und ohne diese kulturelle Strahlkraft wird der Titel einer Kulturhauptstadt kaum zu gewinnen sein, schon gar nicht im innerösterreichischen Wettbewerb beispielsweise mit St. Pölten, das ja mit dem Landhausbezirk auf eine ähnliche kulturelle Dichte bauen kann wie Bregenz.

Das Land, das ein Kulturhauptstadt-Projekt maßgeblich mitfinanzieren müsste, verhält sich abwartend, wenn nicht gar ablehnend. Im Sinne einer kommunalen Kulturentwicklung, von der alle, nicht nur vier Städte und der Bregenzerwald, profitieren können, müsste Dir das ja eigentlich recht sein.

Bludenz hat seit meiner Wiederwahl Ende März die Weichen für eine Kulturstrategie gestellt. Ab September starten parallel die Bludenzer Kulturfabrik und etwas zeitversetzt nach hinten strategische Runden mit Bürs und Nüziders.

Am Ende, spätestens zum 1. Jänner 2019, sollte klar sein, wie die Struktur der Bludenzer Kulturarbeit hinkünftig aussehen wird und welche strategische Rolle die Stadt für und mit der Region einnimmt bzw. welche Positionierung Kultur in der Stadtregion mit Bürs und Nüziders einnehmen wird können.

Klar ist auch, dass wir in Sachen Kulturstrategie Gespräche mit dem Montafon, dem Klostertal, dem Brandnertal sowie der Regio Walgau suchen werden.

Das gesamte Interview mit Christoph Thoma ist in der Juni-Ausgabe 2017 der Zeitschrift Kultur erschienen.