Auszug aus einem Interview mit Chefredakteur Peter Füßl in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift KULTUR …

Ausgangspunkt für dieses Interview ist ein Mail, das ich von Dir erhalten habe: „Wer sagt denn, dass ein mögliches Industriemuseum in Dornbirn stehen muss? Ich bin ja der Meinung, dass Bludenz wesentlich prädestinierter wäre für ein Industriemuseum?“ Als Bludenzer Kulturstadtrat musst Du wohl dieser Meinung sein, aber kannst Du uns das ein bisschen erläutern?

Das sollte die Grundproblematik zum Ausdruck bringen. Das Rheintal zieht den Großteil der kulturellen Aufmerksamkeit auf sich. Insbesondere Bregenz, Dornbirn und Feldkirch werden seit Jahrzehnten vom Land in Sachen kultureller Positionierung bevorzugt, zumindest macht das den Anschein. Und zwar über den Weg der großen Einrichtungen, ich verweise auf die Festspiele, die KUGES (Landestheater, Kunsthaus und vorarlberg museum) oder die inatura sowie die wissenschaftlichen Einrichtungen wie das Landeskonservatorium, die Fachhochschule oder die Pädagogische Hochschule, um nur einige der großen Tanker und Einrichtungen zu nennen.  Das sei den Städten und dem Rheintal vergönnt, nur gilt es diese Schieflage etwas zu korrigieren. Warum das so ist, das werden politisch interessierte Beobachter vermutlich auf die SPÖ-Bürgermeisterjahre von 1970 bis 1995 zurückführen.

Nachdem die ÖVP mit Othmar Kraft 1995 das Bürgermeisteramt übernommen hatte, wurde rasch die Remise gebaut, auch auf Grund der klaren Haltung für Kunst und Kultur vom damaligen, Bludenzer Kulturlandesrat Guntram Lins. Ebenso konnte der Verein allerArt seine innovative Arbeit ausbauen.

Aber genug mit der Geschichte: Wenn wir heute neue Museen im Land diskutieren, dann bitte nicht mit erneuter Rheintaltendenz. Insbesondere Industrie ist auch ein Thema für Bludenz, damit hängen auch die Eisenbahngeschichte oder die Migrationsbewegungen des letzten Jahrhunderts zusammen. Abgesehen davon wurde die Vorstudie für das Industriemuseum vom Land finanziert, folglich darf auch die fünfte Stadt des Landes in den Prozess miteinbezogen werden.

In Deinem Mail schreibst Du auch „Bludenz ist jene Stadt des Landes, die wohl am meisten Kulturentwicklung benötigt.“ Du warst ja vor Deiner Zeit als Geschäftsführer von Bregenz Tourismus und Stadtmarketing, Deiner Intendanz bei den Grazer Spielstätten und Deinem kurzen Gastspiel bei Esterhazy im Burgenland mehrere Jahre derjenige, der die Fäden im Bludenzer Kulturleben in der Hand hatte – nämlich von 2006 bis 2008 als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der von Dir ins Leben gerufenen Bludenz Kultur GmbH. Und vor dem Burgenland warst Du ja auch schon Kulturstadtrat. Du kennst also sicher die gravierendsten Probleme und deren Ursachen.

Das Bludenzer Kulturleben wird gerne schlechter dargestellt, als es ist. Mit dem Verein allerArt ist es mir bereits in meiner ersten Stadtratszeit 2015 gelungen eine Zukunftsvereinbarung zu treffen. Die neue Leinwandlounge wurde beispielsweise gemeinsam in der Schwarz-Grünen Stadtkoalition ermöglicht. Ein Programmkino ist eine echte Bereicherung für Bludenz und die Region. Was es jedoch klar zu regeln gilt, ist die generelle Ausrichtung der Kulturarbeit: Veranstaltertätigkeit oder Plattform für Netzwerk, Austausch und Förderung.

Ich habe alle Fraktionen zur strategischen Mitarbeit eingeladen, wir holen uns Expertise von außen, das Land ist involviert und wird diesen Prozess finanziell unterstützen.

Und in diesem Kontext gilt es auch die Stadtgeschichte zu hinterfragen. Und wir werden das Museumskonzept aus dem Jahr 2005 überarbeitet, denn mit Lösungsansätzen der Vergangenheit werden wird die Zukunftsfragen des Jahres 2017 nicht beantworten können.

Gibt es so etwas wie einen Zeitplan oder eine Prioritätenliste in Sachen Bludenzer Kulturentwicklung?

2018 feiern wir 20 Jahre Remise Bludenz, das soll ein erster Zwischenschritt auf dem Weg zu einer neuen Positionierung der Bludenzer Kulturarbeit sein. Und im Jahr 2018 soll auch die Idee eines Stadtlabors, eines neuen nomadischen Museums erarbeitet werden. Wir wollen einen neuen Weg beschreiten, einen zukunftsfähigen Diskurs über Geschichte. Zudem soll aktivierende Kulturpolitik das Recht auf Kunst und Kultur viel breiter in die Bevölkerung tragen. Da hilft auch meine politische Verantwortung für die rund 160 Bludenzer Vereine. Es geht um ein breites kulturelles Verständnis.

Das gesamte Interview mit Christoph Thoma ist in der Juni-Ausgabe 2017 der Zeitschrift KULTUR erschienen.