Mein Artikel für „Public Marketing“

Der Diskurs über den Grenzbereich zwischen Digitalem und Realem wird in den kommenden Jahren zunehmen. Bregenz kann mit einem langfristigen Konzept eine neue Attraktion bieten.

Bregenz steht für Qualität, was sich in allen strategischen Angeboten widerspiegelt. Die Kompetenz des ländlichen Raumes zwischen Bodensee und Pfänder, dem Bregenzer Hausberg, und das unverwechselbare Angebot, das Urbanität und Weltoffenheit darstellt, wird konsequent erweitert. Die Vorarlberger Landeshauptstadt definiert und erkennt sich als Kultur- und Festspielstadt, ein ganzheitlicher Kulturbegriff kommt zur Anwendung. Bregenz verfolgt diese Position auch in Zukunft mit einer Internationalisierungsstrategie, die folgende Parameter vereint: Klarheit, Urbanität, Einzigartigkeit zwischen See und Berg, Polyzentrik, Fokussierung von Landmarks, Concept Lines und Inszenierungen, die emotionale Wahrnehmung fördern.

Wie können öffentlichkeitswirksame Angebote entwickelt werden, die Emotionen, Bilder und Geschichten erzählen?

Das Buchungs- und Nutzungsverhalten von Gästen und Bürgern hat sich im Bereich der Kommunikation verändert. Diese weitreichende Erkenntnis führte zur Ausschreibung eines digitalen Kommunikationskonzeptes, das reale und digitale Erlebniswelten zusammenführen sollte. Folgende Parameter sollten berücksichtigt werden:

  1. Bregenz schafft einen digitalen Raum, der Menschen real durch das Areal führt: den Ort „begreifen“, ein  innovatives  Instrumentarium  in  Sachen  Information,  Vermittlung  und Service für alle beteiligten Institutionen sollte entstehen.
  2. Bregenz schafft Raum für Kommunikation: den Raum als einen Ort für „Erbauung“ erfahrbar machen.
  3. Bregenz erfindet sich nicht neu, bewirkt jedoch mit sanften Veränderungen nachhaltige digitale Impulse.
  4. Ein Instrumentarium, das die touristische Kommunikation mit Services für Gäste und Nutzer des Erlebnisraumes vor Ort verbindet, sollte verdichtet werden.
  5. Kommunikation über die Einrichtungen innerhalb des definierten Erlebnisraumes: ein integratives Instrument, das langfristig Synergien für alle beteiligten Organisationen bündelt, vereinfacht und stärkt.
  6. User, die staunen, Bregenzer Bürgerinnen und Bürger, die stolz auf diesen Erlebnisraum sind.

Bregenz schafft diesen virtuellen Erlebnisraum

Der Erlebnisraum Bregenz erstreckt sich vom Platz der Wiener-Symphoniker, jenem großartigen öffentlichen Raum vor dem Festspielhaus Bregenz, über den Hafen, hin zum 2013 neu revitalisierten Kornmarktplatz. Diese virtuelle Welt umfasst zudem die Bregenzer Festspiele, die künstlerischen Arbeiten am Bregenzer Hafen (Albrecht, Amann, Schnell), das vorarlberg museum, das Vorarlberger Landestheater, das Kunsthaus Bregenz sowie temporäre Veranstaltungen wie das Bregenzer Jazz Festival. Dieser kulturelle Raum wird durch dieses Instrument virtuell möglichst sinnlich und professionell erlebbar werden.

Vlow!-Award, ein Wettbewerb zur Attraktivierung der Destination rund um Bregenz

Die Vlow! ist eine Fachtagung, die biennal im Festspielhaus Bregenz veranstaltet wird. Im Zentrum der Tagung steht Kommunikation, Design, Szenografie und Architektur. Dieser erstmals von der Destination Bodensee-Vorarlberg, die neben Bregenz auch die Rheintalstädte Dornbirn, Hohenems und Feldkirch sowie weitere 30 Gemeinden umspannt und diese touristisch als Region vermarktet, veranstaltete Wettbewerb, sollte Erlebnisräume beschreiben. Real erlebt in Hohenems rund um das Jüdische Viertel oder dem Harder Binnenbecken, einem Naturraum, der seines Gleichen sucht. Bregenz hat den großen Vorteil, in den letzten 10 Jahren zahlreiche Impulse für eine innovative Baukultur realisiert zu haben und konnte diesen digitalen Weg beschreiten: Neubau des Festspielhauses (2007), des Platzes der Wiener Symphoniker (2007), des Hafens mit seiner sagenhaften Welle (2011) sowie die Eröffnung des neuen Kornmarktplatzes (2013) und des vorarlberg museums (2013). Zudem wird Bregenz in den kommenden Jahren mit der Seestadt und dem Seequartier (2018) urbanen Stadtraum schaffen: arbeiten, wohnen, flanieren und einkaufen.

Das fünfte Haus – eine neue, zukunftsträchtige Attraktion für Bregenz

Die Kulturmeile Bregenz wird zu einem realen Ort. Einem Ort, an dem man sich treffen kann, so, wie man sich im Wiener Museumsquartier oder auf der Berliner Museumsinsel trifft. Um das zu erreichen, muss die Kulturmeile Bregenz zu einer Attraktion werden. Sie soll tun, was die vier Häuser der Kulturmeile Bregenz am besten können: Raum für künstlerisches Schaffen bieten. Dafür haben drei junge Protagonisten der Kreativwirtschaft, Solveig Furu Almo, Lukas Pankraz Mähr und Harald Entner, das “Fünfte Haus” als integralen Bestandteil der Kulturmeile Bregenz definiert, eine Plattform zur für digitale Kunstprojekte.

„Die Rätsel der Turandot“, der Impuls für das „Fünfte Haus“, ist ein Spiel, das nur digital zugänglich wird, wenn sich Menschen im realen Raum der Kulturmeile Bregenz bewegen. Menschen werden in diesem Spiel durch digitale Inputs angeregt, sich mit dem realen Ort auseinander zu setzen. Die Seepromenade wird dabei zum Spielfeld. Die Grenze zwischen digitalem und realem Raum verschwimmt. Die Kulturmeile wird intensiver erlebt.

Die Suche nach den richtigen Inhalten

Papier ist geduldig, Papier wird gelesen, Papier wird abgelegt. Denn wir wissen: Ohne Content und dementsprechendes Content-Management nützt auch das beste digitale Netz nichts. Wir befinden uns im Wettstreit der Städte und Regionen, um Einwohner, um Touristen, um Investoren. Die Eventisierung des Alltags, die Verniedlichung der Herausforderung begleiten uns. Meist wird auf die Diversifizierung der Lebensstile vergessen, folglich wird es schwierig sein, die richtigen Zielgruppen anzusprechen. Diese Thesen muss jeder selbst für sich beantworten.

Vom Wissen zum Handeln

Bregenz versucht in regelmäßigen Abständen in sogenannten „Denkpausen“, einer mittlerweile institutionalisierten Runde der Geschäftsführung mit den Abteilungsleitern sowie zu spezifischen Themen mit Mitarbeitern aus allen Ebenen, die Kommunikation und sämtliche internen Abläufe zu hinterfragen. Wo liegen wir richtig, was läuft gar nicht, wo muss sofort reagiert werden, was kann eingestampft, was wurde möglicherweise falsch angelegt? Das soll auch ein Ansatz von Evaluierung sein, aus der Wissen geteilt und vor allem aus allen Aktivitäten gelernt werden kann.

Bregenz hat ausreichend Content, Bregenz hat Geschichten, Bregenz hat ein kreatives Netzwerk aus IT-Betrieben, Grafikern, Werbern und Textern. Dieses Know-How wird ergänzend zum Siegerteam rund um Anagram Engineering im Bereich der Redaktion in ein strategisches Denknetzwerk eingebunden. Dieses Story Telling zieht sich durch den Online-Bereich gleichermaßen wie durch den Printbereich. Keine Drucksorte ohne Geschichte, das bleibt das Ziel, das bleibt die Herausforderung. Wir stützen damit auch das konkrete Erlebnis durch virtuell vermittelte Information.

Die Informationen über das Kulturangebot sind da, die dementsprechenden Schnittstellen zu den Institutionen werden programmiert, eine übergeordnete Plattform (v-ticket.at), die auch Kartenkäufe für unterschiedlichste Veranstaltungen ermöglicht, wird gestärkt und zudem redaktionell verbessert.

Zudem gewinnt das Customer Relation Management an Bedeutung. Wir müssen mit den Kunden kommunizieren, müssen wissen, was deren Wünsche sind, im Backoffice, sprich im B2B-Bereich und schlussendlich mit B2C-Segment, was aber eine große Herausforderung bleibt.

Bregenz ist die Kultur- und Festspielstadt im Bodenseeraum. Grüße aus der Kulturküche, ja, Appetizer sollen den Einstieg nach Bregenz erleichtern. Gäste sollen hereingelockt werden, es soll Lust auf Auseinandersetzung entstehen, daher ist das Spiel, das fünfte Haus, auch ein Game, um in der aktuellen IT-Sprache zu bleiben. Das wird zusammengeführt auf einer neuen responsiven Homepage, eine Erkenntnis, die kaufmännisch Verantwortliche natürlich schmerzt, denn die letzte Homepage wurde erst im Herbst 2012 releast.

Die Erkenntnis: Selbstkritik

Wir haben nicht wirklich neue Erkenntnisse. Wir vertiefen unser Wissen, in dem wir dieses digitale Experiment auch als Chance wahrnehmen, interne Prozesse definieren und verändern. Wir werden beispielsweise tatsächlich mehr Geld in die Online-Vermarktung von Bregenz investieren. Ein Lernprozess, der sich mittlerweile über zwei Jahre erstreckt.

Städte stellen sich dem digitalen Marketing. Nur Technik ist nicht alles. Die Positionierung der Vorarlberger Landeshauptstadt als internationale Kulturdestination, die in Sachen Gastfreundschaft und Service, Informationsfähigkeit und Technologie auf zeitgenössischem Niveau agiert, bleibt das Ziel, an dem immer wieder aufs Neue gearbeitet wird. Und wir bleiben dabei: Der Inhalt ist entscheidend und die Marke wird am besten durch die Markenbotschafter vor Ort gelebt, durch unsere Leistungsträger, durch unsere Bürger. (CT, 15.05.2015)

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